Publikationen


Klaus Röckerath, Laura Viviana Strauss, Marianne Leuzinger-Bohleber (Hg.)
Verletztes Gehirn – Verletztes Ich. Treffpunkte zwischen Psychoanalyse und Neurowissenschaften
Mit einem Vorwort von Mark Solms

(Schriften des Sigmund-Freud-Instituts, Reihe 2: Psychoanalyse im interdisziplinären Dialog, Bd. 10). Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 2009
EURO 29,90 - ISBN 978-3-525-45183-0

Kurzinformationen
Wechselspiel von Gehirn und Psyche aus Sicht von Neurowissenschaft und Psychoanalyse.

Ausführliche Informationen
Die psychoanalytische Arbeit mit neurologisch geschädigten Patienten hat einige Besonderheiten zu beachten. Menschen etwa mit einem Schlaganfall in der rechten Hirnhälfte erleiden häufig eine Lähmung der linken Extremitäten und somit eine motorische Behinderung. Typischerweise können diese Patienten einen Neglect zeigen: Sie blenden die Wahrnehmungen aus dem linken Gesichtsfeld aus – sie nehmen nur die Hälfte der Welt wahr, obwohl sie subjektiv den Eindruck haben, die Welt wäre so vollständig wie immer. Ebenso findet sich bei ihnen oft das Phänomen der Anosognosie: Sie sind der festen Überzeugung, sie seien gar nicht halbseitig gelähmt. Diese Phänomene sind für Psychoanalytiker von besonderem Interesse, da sie an psychische Abwehrformen wie etwa die Verleugnung erinnern, die aus der psychoanalytischen Arbeit mit neurologisch nicht beeinträchtigten Patienten bekannt sind. Die Autoren gehen der Frage nach, inwieweit sich eine Hirnschädigung auf die Ich-Funktionen der Person auswirkt und welche Konsequenzen sie für die Persönlichkeit des Patienten hat. Anhand von psychoanalytischen Krankengeschichten wird gezeigt, wie sich unterschiedliche organische Veränderungen in der Psyche des Patienten und im therapeutischen Prozess bemerkbar machen. Das Anliegen des Buches ist es, Ergebnisse aus der Zusammenarbeit von Psychoanalyse und Neurowissenschaften nutzbar zu machen.


Inhalt

Mark Solms
Vorwort


Teil 1: Neglect-Syndrom: Diagnose und Therapie

Franz Dick
Phänomenologie des Neglect-Syndroms: Zum Störungsbewusstsein und zum Problem psychologischer Erklärung

Klaus Röckerath
Neglect und Anosognosie. Psychoanalytische Arbeit mit rechtshirngeschädigten Patienten

Laura Viviana Strauss
Das Neglect-Syndrom als psychischer Akt – Reflexionen und Fallbericht –

Hans-Joachim Rothe
»Zwischen Baum und Borke« oder der Wunsch, zu wissen und zu verleugnen. Bericht über die Psychotherapie einer linksseitig gelähmten 80-jährigen Patientin mit Neglect


Teil 2: Das Mind/Body Problem in der psychoanalytischen Praxis

Marianne Leuzinger-Bohleber
Erinnerungen und Embodiment. Aus der Psychoanalyse einer Poliomyelitis-Patientin

Gabriele Junkers
Demenzielle Veränderungen aus der Sicht der Psychoanalyse. Psychodynamische Überlegungen zur Differenzialdiagnostik demenzieller Prozesse

Johannes Döser
»Woran erinnert das Schmerzgedächtnis?«. Zur Psychoanalyse des Phantomschmerzes – am Beispiel einer jungen Künstlerin nach unfallbedingtem Verlust der Oberkieferzähne

Laura Viviana Strauss und Klaus Röckerath
Ausblick