Forschungsfeld 2

Psychoanalytische Konzeptforschung

Marianne Leuzinger-Bohleber

Joseph Sandler war es, der schon in den Fünfzigerjahren die psychoanalytische Konzeptforschung gründete, die in den letzten Jahren zunehmend an Bedeutung gewonnen hat. Er initiierte eine sogenannte „Konzeptgruppe“, die den berühmten Hampstead Index entwickelte, der jahrelang an bekannten Ausbildungskursen an der damaligen Hampstead Klinik, dem heutigen Anna Freud Center, internationalen Teilnehmerinnen und Teilnehmern vermittelt wurde. Seit den Achtzigerjahren arbeitete Joseph Sandler regelmäßig mit einer „Konzeptgruppe“ am Sigmund-Freud-Institut. 1986 bis 1990 war er als Gastwissenschaftler am Institut tätig, obschon er gleichzeitig als  Freud Memorial Professor am University College in London und ab 1989 als Präsident der Internationalen Psychoanalytischen Vereinigung tätig war. Das Sigmund-Freud-Institut hat sein Engagement nicht vergessen und stellt sich mit vielen der laufenden Forschungsprojekte in seine Tradition. Die brillanten konzeptuellen Arbeiten z.B. zum Vergangenheits- und Gegenwartsunbewussten und der Bedeutung innerer Objekte, die er zusammen mit Annemarie Sandler verfasste (Sandler & Sandler, 1999), sind und bleiben dabei große Vorbilder. Auch teilen viele der heutigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seine Auffassung, dass die Validität und Nützlichkeit psychoanalytischer Konzepte sich in der klinischen Praxis bewahrheiten müssen, Konzepte aber auch einer ständigen Veränderung unterworfen sind und daher stetig weiter entwickelt und erforscht werden müssen. Joseph Sandler kann daher zu Recht als der Vater der psychoanalytischen Konzeptforschung gelten (vgl. dazu u.a. Dreher, 2003). Institutionell dauerte es allerdings über vierzig Jahre, bis im Jahr 2001 der damalige Präsident der International Psychoanalytical Association, Daniel Widlöcher (Paris),  auf dem Internationalen Kongress in Nizza, ein zweites Research Subcommittee for Clinical, Conceptual, Epistemological and Historical  Research konstituierte, das die erfolgreiche Arbeit des Committees for Empirical Research unter der Leitung von Peter Fonagy in weiteren Forschungsfeldern ergänzen sollte. Marianne Leuzinger-Bohleber übernahm die Funktion als Chair dieses Committees. Eine der Aufgaben der beiden Committees ist die jährliche Organisation der Sandler Research Conference (vgl. entsprechende Publikationen, die aus diesen Konferenzen hervorgegangen sind).

Aus der achtjährigen Arbeit des Subcommittee for Clinical, Conceptual, Epistemological and Historical  Research sind eine Reihe von Publikationen hervorgegangen, die dazu beigetragen haben, dass heute Konzeptforschung als eine der verschiedenen Formen psychoanalytischer Forschung weltweit akzeptiert ist (vgl. dazu -> Research lecture der IPA von Marianne Leuzinger-Bohleber (2010).

Die Leiterin des Committee fasste die Arbeiten im Zeitraum 2001-2008 wie folgt zusammen (-> PDF)


Die neue IPA Administration unter Prof. Dr. Ch. Hanly führt die Arbeit des Research Committees  unter der gemeinsamen Verantwortung des Research Boards (Chair: Peter Fonagy, Vice Chairs: Marianne Leuzinger-Bohleber, Ricardo Bernardi) in neuer Form weiter:

a) Projectgroup for Theoretical Integration (Chair: Werner Bohleber)
b) Projectgroup for Clinical Obervation (Chair: Mariana Altman)
 

(5.9.2011, M. Leuzinger-Bohleber)
 

Ansprechpartner/-innen

Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber

Sekretariat: Renate Stebahne
Telefon 069 971204-149
E-Mail leuzinger-bohleber
@sigmund-freud-institut.de

 

Research lecture der IPA
von Marianne Leuzinger-Bohleber, 2010
-> PDF

Die Leiterin des Committee fasste die Arbeiten
im Zeitraum 2001-2008 zusammen -> PDF


Eine Publikationsliste zur Konzeptforschung
finden Sie -> hier (PDF).