MANCHESTER CHILD ATTACHMENT STORY TASK

Weiterbildungs- und Training Programm



MCAST Weiterbildung am Sigmund-Freud-Institut

Im Rahmen verschiedener Präventionsstudien, die seit 2003 am Sigmund-Freud-Institut und seit 2008 in Kooperation mit dem LOEWE geförderten Forschungszentrum „Individual Development and Adaptive Learning“ (IDeA) durchgeführt wurden, haben wir den Manchester Child Attachment Story Task (MCAST) als ein Verfahren identifiziert, mit dem die Bindung von Kindergarten- bzw. Grundschulkindern zu ihren primären Bezugspersonen standardisiert untersucht werden können.

Im Verlauf der letzten fünf Jahre wurden am Sigmund-Freud-Institut mehr als 550 Kinder mit dem MCAST im Abstand von zwei Jahren untersucht. Die Entwickler des Verfahrens, die Arbeitsgruppe um Prof. Dr. Jonathan Green von der University of Manchester, sprachen uns das Vertrauen aus, den MCAST ins Deutsche zu übersetzen, anzuwenden und die Weiterbildung in diesem Instrument für den deutschsprachigen Raum zu übernehmen.

Dank der produktiven Zusammenarbeit mit den Kollegen aus Manchester und der erworbenen Forschungserfahrung konnten wir im März 2013 das „Deutschsprachige MCAST Zentrum“ und die „Arbeitsgruppe zur Validierung und Normierung des MCAST“ gründen, die am Sigmund-Freud-Institut und am IDeA Zentrum verankert sind.


Über das MCAST Verfahren

Der „Manchester Child Attachment Story Task“ (MCAST, Green, Stanley, Smith & Goldwyn, 2000) ist ein standardisiertes Instrument zur Bestimmung des Bindungstyps bei Kindern zwischen 3,5 und 8 Jahren. Der Untersucher spielt mit dem Kind verschiedene bindungsrelevante Stress-Situationen, die auf Video aufgezeichnet werden. Das Videomaterial wird anschließend im Hinblick auf 33 bindungsspezifische Merkmale ausgewertet. Dabei wird untersucht, wie sich Kinder im Spiel in einer Gefahrensituation verhalten, in der das Bindungssystem aktiviert wird. Aus der Bindungsforschung ist bekannt, dass ein Kind nur dann aktiv seine Umgebung exploriert, wenn es sich sicher fühlt. Sobald es eine Gefahr wahrnimmt, stellt es sein Erkundungsverhalten ein und aktiviert sein Bindungssystem, das heißt: Es sucht Schutz bei seiner primären Bindungsperson. Im MCAST-Verfahren wird systematisch geprüft, welches Bindungsverhalten Kinder entwickelt haben. Es werden vier Typen unterschieden:

  • Ein sicher gebundenes Kind sucht in der Gefahrensituation mit großer Selbstverständlichkeit den Schutz seiner primären Bindungsperson. Wenn es beispielsweise durch einen Albtraum aufwacht, ruft es nach seiner Mutter, die es tröstet.
  • Ein unsicher-vermeidend gebundenes Kind hat gelernt, dass es sich in einer Gefahrensituation selbst trösten muss: Es wird sich beispielsweise selbst ein Pflaster auf die Wunde kleben, wenn es sich verletzt hat.
  • Ein unsicher-ambivalent gebundenes Kind kann sich in einer Gefahrensituation weder selbst trösten, noch verfügt es über die innere Sicherheit, Hilfe von seiner primären Bezugsperson zu erhalten. Es wird stattdessen häufig von Aggression und Verzweiflung heimgesucht, wenn es seine Bezugsperson verloren hat.
  • Ein unsicher-desorganisiertes Kind hat aufgrund einer eigenen Geschichte von schweren Traumatisierungen oder durch das Aufwachsen mit traumatisierten Bindungspersonen kein zusammenhängendes Bindungsmuster entwickelt: In allen Gefahrensituationen reagiert es verwirrt, bizarr oder flüchtet in einen gegenüber seiner Umwelt unkontrollierten Zustand.

Dazu zwei konkrete Beispiele aus unserer eigenen Untersuchung am Sigmund-Freud-Institut (Namen geändert):

Mohammend (vier Jahre) spielt in der Geschichte „Ein Kind bekommt starke Bauchschmerzen“: Mohammed ruft nach seiner Mama. Die kommt gleich und fragt: „Oh, wo tut es Dir denn weh?“ – „Hier in meinem Bauch – es tut ganz fest weh...“ – „Ich mache Dir gleich einen heißen Tee und eine Bettflasche, dann wird es gleich wieder besser. Leg Dich ins Bett – Du bleibst heute zuhause. Ich lese Dir gleich eine Geschichte vor, dann vergisst Du Dein Bauchweh bald...“ Eine ähnliche Struktur weisen alle Spielgeschichten von Mohammed auf, er gehört zu der Gruppe der sicher gebundenen Kinder.

Alis (drei Jahre) Geschichten weisen dagegen auf ein anderes, ein desorganisiertes Bindungsmuster hin: Als die „Ali-Puppe“ im Einkaufszentrum ihre Mutter verliert und Ali diese – im Spiel – schließlich wieder findet, wird er zuerst von seiner Mutter geschlagen. Anschließend schlägt er sie – und verliert immer mehr die Kontrolle. Er bringt das ganze Puppenhaus durcheinander und begräbt die „Mutter-Puppe“ impulsiv unter den Möbeln, „damit sie endlich tot ist...“. Er kann sich nicht aus seiner aggressiv destruktiven Stimmung befreien: Eine Viertelstunde ist er damit beschäftigt, seine Mutter zu töten.
 




Für wen ist der MCAST entwickelt worden und für wen ist er relevant?

Kinder- und Jugendpsychotherapeuten, Entwicklungspsychologen, klinische Psychologen, Kinderärzte, Erziehungswissenschaftler und Pädagogen


Welche Voraussetzungen sollten für die Teilnahme an der Weiterbildung erfüllt sein?

Hochschulabschluss in einem relevanten Fach (Diplom, Magister, Master o.ä.)


Was wird wie zertifiziert?

Prof. Dr. Jonathan Green und Kollegen von der Universität Manchester haben das Deutschsprachige MCAST Zentrum Frankfurt am Main mit der Aufgabe betraut, die MCAST Ausbildung im deutschsprachigen Raum zu übernehmen und für die Qualitätssicherung zu sorgen. Folgende Standards wurden von Jonathan Green und Kollegen entwickelt und entsprechen den Normen im englischsprachigen Raum. Dabei wird zwischen der klinischen Anwendung und der Anwendung in der Forschung unterschieden.
Wenn Sie das MCAST Verfahren selbst anwenden möchten, müssen Sie nach eingehendem Training folgende Zertifizierung erwerben: 1.) für die Durchführung des MCAST (Dafür senden Sie uns zwei Videos zu, in denen Sie den MCAST mit zwei Kindern komplett durchführen) und 2.) für das Raten des MCAST (Kliniker müssen die Interraterreliabilität für 10 Videos, Forscher für 20 Videos nachweisen). Die Rückmeldung erfolgt schriftlich aus dem Deutschsprachigen MCAST Zentrum Frankfurt am Main.
Unabhängig von der Zertifizierung erhalten Sie für jeden abgeschlossenen Baustein eine Teilnahmebestätigung.


Welche Bausteine umfasst die MCAST Weiterbildung?

1. Baustein (zwei Tage):

  • Grundlagen der Bindungstheorie und Bindungsforschung
  • Verwandte Verfahren: der Strange-Situation-Test, CAI und das Adult Attachment Interview
  • Einführung in die klinische Anwendung und in die Anwendung in der Forschung
  • Validierungsstudien zum MCAST
  • Anwendung und Durchführung des MCAST

2. Baustein (3 Tage):

  • Erlernen des MCAST-Ratings für die Identifizierung der Bindungsstrategien (sicher, unsicher-vermeidend, unsicher-ambivalent, unsicher-desorganisiert)

3. Baustein

  • Zertifizierung

Danach haben Sie die Möglichkeit zur Mitgliedschaft im Deutschsprachigen MCAST-Zentrum und zur Teilnahme an der Validierungsstudie des MCAST in Deutschland, Österreich und der Schweiz


Kosten der MCAST Weiterbildung

1. Baustein:
    95,00 Euro (ermäßigt: 75,00 Euro)

2. und 3. Baustein:
    700,00 Euro (ermäßigt: 560,00 Euro)

Alle drei Bausteine zusammen:
    795,00 Euro (ermäßigt: 635,00 Euro)


Mitglieder des Deutschsprachigen MCAST-Zentrums am Sigmund-Freud-Institut

Leitung: Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber und Dr. Katrin Luise Läzer
Methodische Verantwortung: PD Dr. Tamara Fischmann
Consultants: Prof. Dr. Bernhard Rüger, Prof. Dr. Elmar Brähler
Kooperationen: Prof. Dr. Jonathan Green und Dr. Ming Wai Wan, University of Manchester
Mitglieder der Arbeitsgruppe „Validierung und Normierung des deutschsprachigen MCAST“ und des Deutschsprachigen MCAST-Zentrums Frankfurt am Main: Prof. Elmar Brähler, PD Dr. Tamara Fischmann, Lorena Hartmann, Mona Hauser, Verena Neubert, Dr. Katrin Luise Läzer, Prof. Dr. Marianne Leuzinger-Bohleber, Nicole Pfenning-Meerkötter, Prof. Dr. Bernhard Rüger, Angelika Wolff


Termin zur MCAST Weiterbildung
Juli 2015 (genaues Datum folgt)


Anmeldung &
Ansprechpartner

Dr. Katrin Luise Läzer

Telefon +49(0)69 971204-141
laezer@sigmund-freud-institut.de

Postadresse:
Sigmund-Freud-Institut
Myliusstrasse 20
D-60323 Frankfurt am Main
 
 

Anmeldung &
Ansprechpartner:

Dr. Katrin Luise Läzer

laezer
@sigmund-freud-institut.de


Adresse:
Sigmund-Freud-Institut
Myliusstrasse 20
D-60323 Frankfurt am Main
 

Termin zur
MCAST Weiterbildung:
Juli 2015 (genaues Datum folgt)