Überregionale Forschungsgruppe am Sigmund-Freud-Institut zu den psychosozialen Spätfolgen der Shoah

Die nationalsozialistische Verfolgung und Vernichtung der jüdischen Frauen, Männer und Kinder in Europa stellt eine Zäsur in der deutschen und europäischen Geschichte dar und verursachte die Zerstörung jahrhundertealter jüdischer Lebenswelten. Diese Zäsur zeitigte weitreichende psychosoziale Folgen. In der transdisziplinären Forschungsgruppe wird verschiedenen Aspekten dieser Auswirkungen sowohl auf der Seite der Überlebenden und ihren Nachfahren wie auch auf der Seite der ehemaligen TäterInnen und MitläuferInnen und ihrer Kinder und EnkelInnen nachgegangen. Einzel- wie gemeinsame Projekte umkreisen ihre Themen aus unterschiedlichen Fachperspektiven wie der Psychoanalyse, der Psychologie, der Sozialpsychologie, der Soziologie, den Geschichtswissenschaften und der Pädagogik.

In Bezug auf die Überlebenden stellen sich in erster Linie Fragen nach dem Trauma der Ersten Generation, den intergenerationellen Trauma-Transmissionsprozessen und dem Leben der Kinder und Kindeskinder nach der Shoah. Gefragt wird in diesem Zusammenhang nach jüdischem Leben insbesondere in Deutschland und Österreich. Desweiteren wird die Bedeutung familiärer Verfolgungserfahrungen und ihrer Übermittlung in individuellen Lebensentwürfen, Identitätskonstruktionen und bei Migrationsentscheidungen erforscht.

Bei TäterInnen und MitläuferInnen liegt der Forschungsschwerpunkt auf dem individuellen und kollektiven Umgang mit Schuld und Scham, dem bewussten/unbewussten Fortwirken der nationalsozialistischen Identifizierungen bei den ehemaligen ›Volksgenossen‹ und den Gefühlserbschaften des Nationalsozialismus bei ihren Nachkommen. Hier werden die Spuren untersucht, die die nationalsozialistische Gesellschaft und die Shoah in Wissensbeständen, Affektdynamiken und sozialen Interaktionen in den post-nationalsozialistischen Gesellschaften hinterlässt. Ein besonderer Fokus liegt auf den verschiedenen Formen des Antisemitismus nach Auschwitz.


Der Forschungsgruppe gehören folgende Personen an:

Dr. Julia Bernstein, Kulturanthropologin und Soziologin; Mitarbeiterin am Institut für vergleichende Bildungsforschung und Sozialwissenschaften an der Universität zu Köln jbernste@uni-koeln.de

Markus Brunner, M.A., Mitglied des Koordinationsteams der Arbeitsgemeinschaft Politische Psychologie www.agpolpsy.de/brunner

Dr. phil. Kurt Grünberg, Sigmund-Freud-Institut http://www.sfi-frankfurt.de/mitarbeiter-innen/dr-phil-kurt-gruenberg.html

Prof. Dr. Lena Inowlocki, Soziologin, Fachhochschule Frankfurt am Main
www.fh-frankfurt.de/de/fachbereiche/fb4/ansprechpartnerinnen/professorinnen/lena_inowlocki.html

Dr. Judith Lebiger-Vogel, Frankfurt am Main http://www.sfi-frankfurt.de/mitarbeiter-innen/judith-lebiger-vogel.html

Dr. Jan Lohl, Sigmund-Freud-Institut, Frankfurt am Main http://www.sfi-frankfurt.de/mitarbeiter-innen/jan-lohl.html

Prof. Dr. Angela Moré, Sozialpsychologin, Gruppenanalytikerin, Winnicott Institut und Leibniz Universität Hannover www.ish.uni-hannover.de/2755.html 

Andrea Neugebauer, M.A., Doktorandin (Soziologie), Goethe-Universität Frankfurt/Main andreaneugebauer@gmx.net

Dr. phil. Nele Reuleaux, Sozialpsychologin, Gruppenanalytikerin i.A. (Sgaz). Mitarbeiterin der Psychologisch-Therapeutischen Beratung für Studierende der Leibniz Universität Hannover reuleaux@ptb.uni-hannover.de

Dr. phil. Katharina Rothe, Dipl.-Psych., wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Universität Leipzig, in psychoanalytischer Ausbildung am William Alanson White Institute in New York http://rotkathz.wix.com/extraordinary-alien

Dipl.-Psych. Doreen Röseler, Psychoanalytikerin i.A., wissenschaftliche Mitarbeiterin der Charité, Berlin doreen.Roeseler@charite.de oder droeseler@freenet.de

Dr. (phil.) Nadine Teuber, wissenschaftliche Mitarbeiterin FH Frankfurt, Heuss Lecturer, New School for Social Research (NY), in psychoanalytischer Ausbildung am Frankfurter Psychoanalytischen Institut (DPV) http://www.newschool.edu/lang/faculty.aspx?id=69876

Dipl. Pädagoge Michael Vollrath, Psychotherapeut analytische Kinder und Jugendlichen Psychotherapie i.A. (IAKJP Berlin) Michael.Vollrath@googlemail.com

Dipl. Soz. Ruth Zeifert, München www.ruthzeifert.de



(11/10/2011)
 
 

8. Mai 1945 bis 8. Mai 2015 - Gerettet, aber nicht befreit?
Veranstalter: Überregionale
Forschungsgruppe am
Sigmund-Freud-Institut
zu den psychosozialen
Spätfolgen der Shoah
Datum: 08./09. Mai 2015
Ort: Frankfurt University of
Applied Sciences, Gebäude 4,
Raum 111/112
Weitere Infos unter:
www.8-mai.com