Publikationen

Rolf Haubl, Frank Dammasch, Heinz Krebs (Hg.)
Riskante Kindheit. Psychoanalyse und Bildungsprozesse
(Schriften des Sigmund-Freud-Instituts, Reihe 3: Psychoanalytische Sozialpsychologie, Bd. 4). Göttingen: Vandenhoeck und Ruprecht, 2009
EUR 29,90 - ISBN 978-3-525-45414-5

Kurzinformationen
Die Kindheit verliert in der modernen Welt ihren Schonraum.

Ausführliche Informationen
»Kindheit« gilt als ein besonderer Lebensabschnitt, der vom gesellschaftlich herrschenden Handlungsdruck befreit ist. Dieser Schutz- und Schonraum soll der allmählichen Vorbereitung auf ein sozial integriertes Leben dienen. Kindern ausreichend Zeit zu lassen, um zu einer Persönlichkeit zu reifen, geschieht in der Erwartung, dass sie in dieser Zeit die bürgerlichen Werte verinnerlichen, so dass die Gesellschaft ohne großen Aufwand an sozialer Kontrolle auskommt. Kindergärten, Schulen sowie alle anderen sozialen und pädagogischen Institutionen bieten in der Realität nur bedingt Freiräume. Vor allem die Schule soll ein Arbeiten lehren, das alles Spielerische hinter sich lässt.
Kindheits- und Jugendforscher sind sich weitgehend einig, dass der Schutz- und Schonraum heutzutage bedroht ist. »Kindheit« verschwindet auf breiter Front, indem sich die Lebenswelt von Kindern immer mehr der Lebenswelt von Erwachsenen angleicht. Damit einher geht ein enormer Anstieg der gesundheitlichen, körperlichen und psychischen Belastungen von Kindern und Jugendlichen. Von zunehmenden Allergien bis zu zunehmenden Angststörungen und Depressionen reicht die alarmierende Bestandsaufnahme heutiger »Kinderkrankheiten«. Die gesellschaftlichen Anpassungsleistungen überfordern die heutigen Kindern und Jugendlichen. Sie reagieren darauf gesteigerter Gewaltbereitschaft oder selbstdestruktivem Drogenkonsum. Experten bemühen sich, die Risikofaktoren der modernen Lebensbedingungen zu verringern – kurativ, besser noch aber präventiv. So geraten Kinder und Jugendliche heute mehr den jemals zuvor in den Einflussbereich professionellen Handelns: von Erziehern, Lehrern, Sozialarbeitern, Therapeuten. Die Beiträge dieses Buches lassen sich als multiprofessionelle Momentaufnahmen aus einer Erwachsenenwelt und deren Institutionen lesen, die, soll Kinderfreundlichkeit mehr als ein Lippenbekenntnis sein, immer auch ihre eigenen Selbstverständlichkeiten in Frage stellen muss.


Inhalt

Rolf Haubl, Frank Dammasch, Heinz Krebs: Zur Einführung

FAMILIENLEBEN

Rose Ahlheim: Elternschaft – Entwicklungsprozess und Konfliktpotential

Hans-Geert Metzger: Der Vater und die frühe Kindheit

Frank Dammasch: Der Junge ohne väterliche Struktur

Heribert Blaß: Die Bedeutung des früh enwickelten oder nachträglich erworbenen Bildes vom Vater für erwachsene Liebesbeziehungen

KINDER MIT AUFMERSAMKEITSHYPERAKTIVITÄTSSTÖRUNG

Marianne Leuzinger-Bohleber, Tamara Fischmann, Judith Vogel: »Weißt du, manchmal möchte ich nicht mehr leben ...« Frühprävention als Stärkung der Resilienz gefährdeter Kinder? Beobachtungen und Ergebnisse aus der Frankfurter Präventionsstudie

Rolf Haubl und Katharina Liebsch: »Wenn man teufelig und wild ist«. Funktion und Bedeutung von Ritalin aus der Sicht von Kindern

BILDUNG ALS BEZIEHUNGSARBEIT

Jürgen Körner: Psychoanalyse und Bildung

Annelinde Eggert-Schmid Noerr: Psychoanalytische Pädagogik und Bildung. Anmerkungen zu Jürgen Körner: Psychoanalyse und Bildung

Joachim Bauer: Spiegelung: Der Kern der pädagogischen Beziehung

Heinz Krebs: Methodische Aspekte professionellen Handelns

TRAUMATISCHE PERSÖNLICHKEITSBILDUNG

Marianne Rauwald: Trauma und Persönlichkeitsbildung

Joachim Heilmann: »Ich muss bei meinem Amsel-Patienten bleiben ...«

Christoph Kleemann: Wie der »Terrorist« zum Schulkind wurde

Ursula Pforr: Trauma und Persönlichkeitsbildung bei Menschen mit einer geistigen Behinderung