Publikationen

Timo Hoyer
Im Getümmel der Welt. Alexander Mitscherlich – Ein Porträt

1. Auflage 2008
Göttingen: Vandenhoeck & Ruprecht
623 Seiten mit s/w Abb., gebunden
39,90 € [D]
ISBN 978-3-525-40408-9


Kurzinformationen
Mitscherlich im Spannungsbogen von Wissenschaft und politischem Engagement.

Ausführliche Informationen
Alexander Mitscherlich, der im September 2008 hundert Jahre alt geworden wäre, gehörte zu den markantesten Persönlichkeiten, die der geistigen Physiognomie der Bonner Republik ihren Stempel aufgedrückt haben. Als Mediziner und Wissenschaftler trug er entscheidend dazu bei, die Psychosomatik und die Psychoanalyse im Nachkriegsdeutschland institutionell zu verankern. Als Publizist traf er nach dem Ende der Adenauer-Ära mit seinen Bestsellern »Medizin ohne Menschlichkeit«, »Auf dem Weg zur vaterlosen Gesellschaft«, »Die Unwirtlichkeit unserer Städte« und »Die Unfähigkeit zu trauern« neuralgische Punkte. Und als öffentlicher Intellektueller entwickelte er sich aus dem antidemokratischen Milieu der Weimarer Republik heraus zu einem streitbaren Demokraten, der mit Leidenschaft zu den brennenden Problemen der Zeit Stellung bezog.
Timo Hoyer verfolgt den Werdegang von Deutschlands bekanntestem Psychoanalytiker von der Kindheit an bis zu dessen Tod 1982. Das Porträt von Mitscherlichs intellektueller Entwicklung, seines wissenschaftlichen Wirkens und seines gesellschaftlichen Engagements ist zugleich das Porträt einer Epoche. Zahlreiche erstmals veröffentlichte Quellen und Abbildungen machen diese Biographie einzigartig.

Inhalt

PROLOG

1. ENGAGEMENT UND WISSENSCHAFT
Auszug aus dem Elfenbeinturm
Das Verhältnis zur SPD: Solidarität und Entsetzen
»Man muss also auch Politik treiben«
Politisierung Mitscherlichs
1945 und davor
1945 und danach
Politisierung der Psychoanalyse

2. WEGE ZUR HUMANITÄT
Humane Medizin
Humane Gesellschaft
Humane Erziehung

3. BILDUNGSPROZESSE
»Prägungsperioden«
Schule und Studium

4. IM SCHATTEN DES HAKENKREUZES
Verlagsgeschäfte und politische »Pfadsuche«
Kurs auf Medizin
Kurs auf Psychoanalyse

5. ABLÖSUNG VON DEN ERSATZVÄTERN
Ernst Jünger – Briefe der Entfremdung
Ernst Niekisch – Sturz des Mentors
Viktor von Weizsäcker – der Generalprotektor

6. NACHKRIEGSJAHRE
Enttäuschender Beginn einer neuen Epoche
Trauer und Zuversicht
Oktroi der Sieger
Auf politischen Pfaden
Vom Dreizehnerausschuss in die Zivilverwaltung
»VOX«
Freier Sozialismus
Auf Wissenschaftspfaden
»Wenn ich es erlebe werde ich jetzt sogar in 5 Jahren Professor«
Projekt Jugendsiedlung
Arbeitsorte

7. GRÜNDUNGSGESCHICHTEN I – III
Die »Psyche«
Die Klinik für Psychosomatische Medizin
Die Beratungsstelle für Kinder und Jugendliche

8. AUFBAU DER BONNER REPUBLIK
Etablierung eines Unangepassten
»Der Lehrstuhl in Heidelberg streift das Wunderbare«
Außenseiter und Aushängeschild: Mitscherlich und die DPV
Auslandserfahrungen
USA 1951
London 1958/59
In der Frankfurter Schule
»In Ihrer Nähe und mit Ihnen zusammen nachdenken zu dürfen«
Die Sigmund Freud Gedächtnisveranstaltung
Gründungsgeschichte IV: Das Sigmund-Freud-Institut
Ein psychoanalytisches Ausbildungs- und Forschungszentrum
»A great deal to be proud of«

9. BERICHTERSTATTER DES BÖSEN
Zum Nürnberger Ärzteprozess
Im Auftrag der Ärztekammern
Im Streit mit den Ärzten
In der Versenkung verschwunden
Die Wiederkehr des Verdrängten

10. IM ZENIT
Berufung
Der alte Doktor unter den Philosophen
Der Professor und die Protestbewegung
Bestseller
Zur »Vaterlosen Gesellschaft«
Über »Die Unfähigkeit zu trauern«
Von der »Unwirtlichkeit unserer Städte«
Vor laufenden Kameras
Der Fall Barzel
Preiswürdig

11. SCHLUSSPUNKTE
Herbstzeit
Am Rande der Leistungsfähigkeit
Aus allen Ämtern heraus
Krankheit als Konflikt


ANHANG

QUELLEN- UND LITERATURVERZEICHNIS
Quellen und Schriften Alexander Mitscherlichs
Archive und private Quellen
Sonstige Literatur

DANKSAGUNG

PERSONENREGISTER