Publikationen

Psychoanalytische Beiträge aus dem Sigmund-Freud-Institut

Die Reihe „Psychoanalytische Beiträge aus dem Sigmund-Freud-Institut“ wurde herausgegeben von Herbert Bareuther, Karola Brede, Marion Ebert-Saleh, Kurt Grünberg und Stephan Hau. Die Reihe erschien im Verlag Edition diskord (Tübingen), der Ende des Jahres 2008 an den Frankfurter -> Brandes & Apsel Verlag übergeben wurde.
 


Band 1
Traum, Affekt und Selbst
4. Internationale Tagung Psychoanalytische Traumforschung

Mit Beiträgen von Heinrich Deserno, Andreas Hamburger, Ulrich Moser, Ernest Hartmann, Bas J.N. Schreuder, Harry Fiss, Mark Solms, Stephan Hau, Tamara Fischmann und Wolfgang Leuschner.
Tübingen: Ed. diskord, 1999, 277 S., EUR 19,00
ISBN 3-89295-654-5

Seit 1991 werden im Sigmund-Freud-Institut regelmässig Tagungen durchgeführt, die sich mit neuesten Ergebnissen psychoanalytischer Traumforschung auseinandersetzen. Bei der 4. internationalen Traumtagung „Traum, Affekt und Selbst“ wurden u.a. die Fragen diskutiert: Wie erfolgt die Regulation von Affekten durch den Traum (und umgekehrt) und welche Auswirkungen haben diese Prozesse auf den Zustand des Selbst? Auf welche Weise kommt unser Selbstgefühl zustande, wie reorganisiert es sich, wie wahrt es seine Identität und wie verändert es sich? Hat das Träumen bezüglich der Affekte eine „natürliche“ therapeutische Funktion? Unter welchen Bedingungen scheitert sie?
 


Band 2
Plädoyers für die Trieblehre
Gegen die Verarmung sozialwissenschaftlichen Denkens

Beiträge von Alexander C. Karp, Karola Brede, Peter Nick, Edda Hevers und Lothar Bayer.
Tübingen: Ed. diskord, 1999, 187 S., EUR 14,00
ISBN 3-89295-671-5

In den Beiträgen dieses Bandes wird für den Zugewinn an theoretischen und exemplarischen Einsichten durch Beobachtungen gestritten, wie sie die psychoanalytische Triebtheorie möglich macht. Ganz unterschiedliche Bereiche kommen zur Sprache: Verschüttete Elemente einer Trieblehre in der soziologischen Handlungstheorie und die Dechiffrierung sozialer Handlungsmuster in triebtheoretischer Perspektive ebenso wie Ansätze von Klassikern der Soziologie - George Herbert Mead, Georg Simmel, Talcott Parsons. Einer solchen Prüfung werden ebenfalls Texte von Jacques Lacan und Jürgen Habermas unterzogen. Die Aufsätze sind aus Diskussionen in einem Arbeitskreis hervorgegangen, dessen Mitglieder bei unter-schiedlicher wissenschaftlicher Herkunft das Interesse am unausgeschöpften Aussagepotential der Psychoanalyse eint.
 


Band 3
Wolfgang Leuschner, Stephan Hau und Tamara Fischmann
Die akustische Beeinflussbarkeit von Träumen

Tübingen: Ed. diskord, 2000, 169 S., EUR 14,00
ISBN 3-89295-676-6

In diesem Band wird dargestellt, wie mit Hilfe eines Experiments akustische Reize in die Bilderwelt des Traumes eingeschleust werden können. Versuche dieser Art werden seit Mitte der achtziger Jahre im Schlaflabor des Sigmund-Freud-Instituts durchgeführt. Die Ergebnisse dieser Untersuchungen machen deutlich, wie fruchtbar die Verwendung einer neuen Methode für die psychoanalytische Forschung sein kann. Die Versuche verschaffen nicht nur neue Erkenntnisse über die Entstehungsbedingungen von Träumen oder über die Verarbeitungsprozesse unbewußter Reize, sondern auch über die Beschaffenheit des Vorbewußten. Nachgewiesen werden kann die Existenz eines zweiten Wahrnehmungs- und Verarbeitungssystems, das unabhängig vom Bewußtsein existiert und einen eigenen Zugang zur Motilität hat. Die bei der akustischen Beeinflussung von Träumen beobachtbaren Prozesse ermöglichen schließlich wichtige Erkenntnisse zur Frage, wie Vergangenes erinnert wird.
 


Band 4
Ingrid-Kerz-Rühling und Tomas Plänkers (Hrsg.)
Sozialistische Diktatur und psychische Folgen

Beiträge von Ulrich Bahrke, Ronald Wittwar, Henrike Wolf, Ingrid Kerz-Rühling, Tomas Plänkers, René Fischer, Elmar Brähler, Jörg Schumacher, Martin Eisemann, Erdmuthe Fikentscher, Tom A. Konzag, Francesca Weil, Helmut Müller-Enbergs und Michael Šebek.
Tübingen: Ed. diskord, 2000, 218 S., EUR 16,00

Zweimal – nach 1945 und nach 1989 – stellte sich in der deutschen Geschichte dieses Jahrhunderts, wenn auch unter sehr unter-schiedlichen Bedingungen, das Problem der Auseinandersetzung mit einer diktatorischen Vergangenheit. 10 Jahre nach dem Zusammen-bruch des sozialistischen Regimes in der DDR sind die psychischen Folgen von Unfreiheit, Repression und einem erzwungenem Kollek-tivismus noch immer vorhanden, und die Fragen nach den Motiven des Mitläufertums bzw. couragierter Opposition nicht gelöst.
Die in diesem Buch versammelten Beiträge wurden als Vorträge anläßlich der Forschungskonferenz „Sozialistische Diktatur und psychische Folgen“ am 12.-13. März 1999 im Sigmund-Freud-Institut gehalten. Sie informieren über Forschungsprojekte, in denen die psychischen Konflikte von verschiedenen Personengruppen, wie z. B. Lehrern, Arbeiterinnen, Psychotherapiepatienten und ehemaligen inoffiziellen Mitarbeitem des MfS in Ostdeutschland und Tschechien untersucht werden. Ihre Ergebnisse demonstrieren, wie groß die Schwierigkeiten der Menschen sind, psychische Strukturen, die sich unter den Bedingungen des „real existierenden Sozialismus“ entwickelten, zu verändern und sich aus Ängsten und Abhängigkeiten zu lösen.
 


Band 5
Kurt Grünberg
Liebe nach Auschwitz — Die Zweite Generation
Jüdische Nachkommen von Überlebenden der nationalsozialistischen Judenverfolgung in der Bundesrepublik Deutschland und das Erleben ihrer Paarbeziehungen

Tübingen: Ed. diskord, 2000, 315 S., EUR 19,00
ISBN 3-89295-683-9

Die Arbeit untersucht eine nicht-klinische Population von Töchtern und Söhnen von Überlebenden der nationalsozialistischen Judenverfolgung in der Bundesrepublik Deutschland und das Erleben ihrer Paarbeziehungen. Dem Verständnis ihrer Paarbeziehungsproble-matik gerade im 'Land der Täter' dient eine Annäherung an die Lebenswelt von Juden im heutigen Deutschland in Form einer kultur- und gesellschaftspolitischen Bestandsaufnahme aus der Perspektive eben dieser Zweiten Generation.

Methodischer Ansatz der empirischen Analysen ist ein multi-methodisches Vorgehen der Ineinanderführung von qualitativen und quantitativen Forschungsansätzen. Semistrukturierte Tiefeninterviews werden durch standardisierte Erhebungsverfahren ergänzt. Die Untersuchung erweist, daß Söhne und Töchter von Überlebenden im Sinne emotionaler Verstrickung stärker an ihre Eltern gebunden sind als eine nicht-jüdische Vergleichsgruppe. Sie zeigen mehr 'Klarheit' über die wesentlichen Erfahrungen ihrer Eltern im Nationalsozialismus. Sie erleben mehr elterlichen Druck, Partnerinnen oder Partner der eigenen Herkunft zu wählen. In ihren Liebesbeziehungen zeigen sich spezifische mit dem Thema Herkunft oder Nationalsozialismus in Zusammenhang stehende Konflikte.

Die Einzelfallanalysen ermöglichen ein tieferes Verständnis in bezug auf die Modi der Tradierung des elterlichen Traumas. In Familien, in denen beide Eltern Überlebende sind, kann eine besondere Enge entstehen, die den Kindern zwar die Ausbildung einer klaren Identität als Juden der Zweiten Generation ermöglicht, die aber einen so hohen Bindungsdruck erzeugt, daß eine Separation schwer bis kaum möglich wird. In einer Familie mit einem Überlebenden und einer deutschen Mutter entsteht gewissermaßen das umgekehrte Bild: ein Mann, der unter massiver Identitätskonfusion leidet, sich eher von der eigenen Familie ausgestoßen fühlt und mit dem Versuch scheitert, in der Identifizierung mit dem jüdischen Vater seine eigene Identität zu finden.
 


Band 6
Kurt Grünberg und Jürgen Straub (Hrsg.)
Unverlierbare Zeit
Psychosoziale Spätfolgen des Nationalsozialismus bei Nachkommen von Opfern und Tätern

Beiträge von Gertrud Hardtmann, Anita Eckstaedt, Jürgen Müller-Hohagen, Hans-Dieter König, Elisabeth Brainin, Vera Ligeti und Samy Teicher, Kurt Grünberg, Jürgen Straub, Dan Bar-On, Alexandre Métraux.
Tübingen: Ed. diskord, 2001, 349 S., EUR 22,00
ISBN 3-89295-710-X

Es gibt Vergangenheiten, die, wie Jean Améry so treffend formulierte, für Individuen und Kollektive unweigerlich den Status einer unverlierbaren Zeit erhalten. Solche Vergangenheiten können die persönliche Verfassung von Individuen und die soziale Praxis noch Jahrzehnte nach den „unverlierbaren“ Ereignissen und Erlebnissen prägen. Die teilweise auch unbewußten psychosozialen Folgen insbesondere traumatischer Erfahrungen werden, wie vor allem psychoanalytische und psychologische Forschungen über die destruktiven Auswirkungen des Nationalsozialismus gezeigt haben, von einer Generation an die nächste weitergegeben. Dabei entstehen neuartige Belastungen, die die betroffenen Nachkommen in leidvolle Konflikte und Krisen treiben können. Nachdem zahlreiche Untersuchungen dargelegt haben, daß viele Nachkommen von Überlebenden als Kinder und Kindeskinder der Shoah unter dem intergenerationell tradierten Schicksal ihrer Eltern zu leiden hatten (und noch leiden), haben in jüngerer Zeit auch die Nachfahren von Tätern verstärkt Aufmerksamkeit gefunden. Auch diese blieben von belastenden Erbschaften in vielen Fällen nicht verschont. Das Buch beschäftigt sich mit beiden Gruppen und insbesondere mit deren Vergleich. Solche komparativen Studien galten einst als skandalöser Tabubruch und sorgen nach wie vor für intensive, ja heftige Debatten in Disziplinen wie der Psychoanalyse, Psychologie und Soziologie, aber auch in den Medien und der Öffentlichkeit. Wie die versammelten Aufsätze zeigen, gibt es für solche Auseinandersetzungen durchaus gute Gründe. Diese berühren nicht nur wissenschaftliche Fragestellungen und Desiderate, sondern auch praktische, ethisch-moralische und politische Dimensionen unseres Zusammenlebens.
 


Band 7
Peter Nick
Zur Erkenntnisfigur des Beobachters
Entwurf einer anthropologischen Konzeption des erkennenden Subjekts.

Hrsg. von Karola Brede.
Tübingen: Ed. diskord, 2001, 220 S., EUR 22,00
ISBN 3-89295-714-2

Der Autor Peter Nick, der nach dem vorläufigen Abschluß des vorliegenden Buches unerwartet verstarb, faßt hier aufs Knappste zusammen, wie er die Frage nach der Erkenntnisbildung als Problem des Beobachters beantwortet. Meist gilt die Subjektivität des Beobachters als Hindernis auf dem Weg zu unbestechlich objektiven Erkenntnissen. Nick zeigt, daß es eine Vollständigkeit der Beschreibung des Gegenstands aber gar nicht gibt. Mit vielen anschaulichen Bespielen versehen, die dem Leser die notwendigerweise abstrakte Argumentation nahebringen, unterscheidet er Erkenntnisfiguren. Diese sind Varianten der erkennenden Subjektivität, die sowohl in den Natur- als auch in den Sozialwissenschaften auftreten. Maturana, Luhmann und Schütz ebenso wie Adorno sind für Nick Beobachter, die bestimmte Erkenntnisfiguren noch dann verwenden, wenn sie die erkenntnisbildende Rolle des Beobachters zum Thema erheben. Die wiewohl fruchtbare Gefangenheit des erkennenden Ichs in seiner Subjektivität begründet Nick anthropologisch mit Portmann, G.H. Mead und Freud. Um den Gewinn und die Aktualität seines Ansatzes zu demonstrieren, entwickelt der Autor seine Überlegungen in Kritik an der gentechnologischen Debatte, die Sloterdijk ausgelöst hatte und an der brisanten Frage nach der Zucht der Menschengattung.
 


Band 8
Stephan Hau, Wolfgang Leuschner und Heinrich Deserno (Hrsg.)
Traum-Expeditionen

Mit Beiträgen von Benjamin Bardé, Cybèle de Silveira, Heinrich Deserno, Tirmidziou Diallo, Tamara Fischmann, Harry Fiss, Stephan Hau, Edda Hevers, Brigitte Holzinger, Gertrud Koch, Milton Kramer, Wolfgang Leuschner, Marianne Leuzinger-Bohleber, Jochen-Carlos Martini, Manfred Sauer, Howard Shevrin und Inge Strauch.
Tübingen: Ed. diskord, 2002, 316 S., EUR 28,00
ISBN 3-89295-719-3

Vielleicht ist bei keinem anderen Phänomen die Erkenntnis so stark von den Interessen und ihrer Realisierung durch eine bestimmte Forschung, also durch den jeweiligen Kontext geprägt, wie beim Traum. Letztlich entziehen sich Träume universellen Erklärungsansprüchen.

Gegenwärtige und künftige Traumforschung bilden eine Schnittstelle interdisziplinärer Forschung. Man vergißt leicht, daß Freuds Traumdeutung (1900), das Fundament der Psychoanalyse, ein interdisziplinärer Entwurf war. Die damals einbezogenen Disziplinen haben jedoch einen derartigen Wandel durchlaufen, daß ihr Einfluß auf die Psychoanalyse, aber auch umgekehrt, der Einfluß der Psychoanalyse auf die naturwissenschaftlichen und geisteswissenschaftlichen Disziplinen, neu zu reflektieren ist. Hierin liegt der innere Zusammenhalt der in diesem Band versammelten und nur auf den ersten Blick sehr unterschiedlich erscheinenden Beiträge. Unter ihnen sind Ergebnisse psychotherapeutischer wie psychologisch-experimenteller Forschung ebenso vertreten wie Ergebnisse aus interdisziplinären Projekten mit den Neurowissenschaften oder aus Anwendungen der Traumforschung auf künstlerische Produktivität.
 


Band 9
Marianne Leuzinger-Bohleber und Ralf Zwiebel (Hrsg.)
Trauma, Beziehung und soziale Realität

Mit Beiträgen von Werner Bohleber, Heinrich Deserno, Hildegard Lahme-Gronostaj, Marianne Leuzinger-Bohleber, Joy Osofsky, Sverre Varvin, Rolf-Peter Warsitz und Ralf Zwiebel
Tübingen: Edition diskord, 2003, 217 S., EUR 19,00
ISBN 3-89295-730-4

Das 20. Jahrhundert wurde von manchen Autoren als das „Jahrhundert des Traumas“ bezeichnet. Nie zuvor sind so viele Menschen Opfer von „man-made-disasters“ geworden. Millionen wurden ermordet – ebenso viele verschiedensten Formen von Traumatisierungen ausgesetzt. Die Psychoanalyse, ebenfalls im letzten Jahrhundert entstanden, hat sich schon immer mit den Auswirkungen von Traumatisierungen auf die psychische und psychosoziale Situation von Individuen, Gruppen und betroffenen Kulturen auseinander gesetzt. In diesem Band wird das Thema erneut umkreist: aus der Perspektive der klinischen Arbeit mit Opfern von Gewalt, Folter und Verfolgung wird der Versuch einer begrifflichen und theoretischen Annäherung an Dimensionen menschlicher Erfahrungen unternommen, „… wo die Sprache nicht hinreicht …“ (Hans Keilson).
 


Band 10
Hans-Joachim Busch, Marianne Leuzinger-Bohleber und Ulrike Prokop (Hrsg.)
Sprache, Sinn und Unbewußtes
Zum 80. Geburtstag von Alfred Lorenzer

Mit Beiträgen von Werner Bohleber, Hans-Joachim Busch, Bernard Görlich, Hans-Dieter König, Wolfgang Leuschner, Dietmut Niedecken, Ulrike Prokop, Gunzelin Schmidt Noerr und Mechtild Zeul
Tübingen: Ed. diskord, 2003, 302 S., EUR 22,00
ISBN 3-89295-732-0

Im April des vergangenen Jahres wurde Alfred Lorenzer, einer der bedeutendsten psychoanalytischen Denker der letzten Jahrzehnte in Deutschland, 80 Jahre alt. Diesem Anlaß verdankt sich der vorliegende Band. Kurze Zeit darauf starb Lorenzer, so daß diese Publikation nun den Charakter einer posthumen Ehrung annimmt. Alfred Lorenzers Arbeiten sind in vielfacher Hinsicht aktuell: Sie haben nicht nur die psychoanalytische Theorie- und Methodendiskussion entscheidend vorangebracht – sie haben die Psychoanalyse auch zu den Nachbardisziplinen, von den Neuro- bis zu den Kulturwissenschaften, geöffnet und in ihrer Verbindung zu ihnen neu begriffen.
Die Autorinnen und Autoren dieses Bandes setzen sich in verschiedener Hinsicht mit seinem Werk auseinander und lassen sich von ihm zu weiterführenden Studien anregen. Die Beiträge widmen sich der Werkgeschichte, der theoretischen Konzeption, sozialisationstheoretischen, klinischen, historisch-politischen und methodischen Aspekten. Die thematische Spannbreite reicht von der Erforschung kognitiver Prozesse im Unbewußten bis zur kulturanalytisch-tiefenhermeneutischen Untersuchung der Ereignisse des 11. September.
 


Band 11
Heike Westenberger-Breuer
Kriterien des Erfolgs
Eine Untersuchung zum Konzept des Behandlungsziels in der Psychoanalyse

Tübingen: Ed. diskord, 2003, 122 S., EUR 14,00
ISBN 3-89295-738-X

Eine allgemein verbindliche Definition dessen, was die psychoanalytische Behandlung zum Ziel hat und woran sich dementsprechend ihr Erfolg feststellen läßt, gibt es bisher nicht. Die zahlreichen Definitionen, die in der Literatur zu finden sind, beziehen sich auf unterschiedliche inhaltliche Aspekte, und sie variieren je nach Schulenzugehörigkeit innerhalb des Spektrums psychoanalytischer Denkrichtungen. Die vorliegende Arbeit orientiert sich im methodischen Vorgehen an den Ausführungen Anna U. Drehers zur Konzeptforschung und kann zeigen, daß Psychoanalytiker implizit einem Konzept des Behandlungsziels folgen, das vier Bereiche umfaßt:

  1. die Veränderung der Symptome und Beschwerden,
  2. Veränderungen in der Lebensführung,
  3. strukturelle Persönlichkeitsveränderungen und
  4. die Realisierung der Behandlungsmethode wie z. B. die Auflösung der Übertragungsneurose.

Diese Kriterien werden von Psychoanalytikern zur Einschätzung des Behandlungsergebnisses verwendet, wenn sie mit Äußerungen ehemaliger Patienten über ihre Behandlung konfrontiert sind. Anhand der Protokolle von Gruppendiskussionen, die im Rahmen des Katamneseprojekts der Deutschen Psychoanalytischen Vereinigung stattfanden, kann dies veranschaulicht werden. Die zusätzliche Befragung anderer Experten (ein Psychiater, Soziologe, Verhaltenstherapeut etc.), die sich zur katamnestischen Untersuchung desselben Einzelfalls, den zuvor insgesamt 19 Psychoanalytiker beurteilt hatten, äußerten, ergibt, daß Außenstehende ähnliche Kriterien benutzen und sogar gute Übereinstimmungen mit den Psychoanalytikern zeigen, was die inhaltliche Einschätzung betrifft. Dieses Ergebnis kann neue Möglichkeiten in der Verständigung über Behandlungsziele zwischen Psychoanalytikern und einer breiteren Öffentlichkeit eröffnen.
 


Band 12
Wolfgang Leuschner
Telepathie und das Vorbewußte
Experimentelle Untersuchungen des „siebten Sinnes"

Tübingen: Edition diskord, 2004, 107 S., EUR 16,00
ISBN 3-89295-740-1

Die hier vorgelegte Studie zeigt, daß sich Gedanken telepathisch übertragen lassen. Einem „Sender“ präsentierte Dia-Bildinhalte und davon bei ihm angeregte Phantasiegehalte lassen sich einem zwei Stockwerke entfernten „Empfänger“ übermitteln. Die so vermittelten Inhalte tauchen (auch statistisch signifikant) gut nachweisbar vor allem in Zeichnungen von Träumen und freien Einfällen wieder auf. Die gesendeten Inhalte werden vom Empfänger unwillkürlich und unwissentlich reproduziert. Sie werden weiterhin chiffriert, d.h. regelmäßig formal und inhaltlich entstellt, in Bruchstücke zerlegt, verschoben und in neuen Kontexten verdichtet dargestellt.

Diese Entstellungen des telepathisch gesendeten Materials gleichen exakt jenen, die Freud für den Fall natürlicher Tageswahrnehmungen beschrieben hat, die im Traum zu Tagesresten umgeformt werden. Ebenso gleichen die Entstellungen jenen Veränderungen, die man im Falle unterschwelliger oder unbeachteter Wahrnehmungen antrifft. Daraus schließt der Autor, daß telepathisch übertragene Inhalte das Vorbewußte passieren. Dieses von der Traumarbeit her bekannte Prozeßsystem läßt sich als „7. Sinn“ identifizieren, auch wenn die Frage der Vermittlung ungelöst bleibt.

Durch die in diesem Buch dargestellten Befunde und Schlußfolgerungen wird erklärt, warum sich das telepathische Geschehen grundsätzlich so schwer nachweisen läßt und dennoch bedeutsam ist, nicht nur für die Psychoanalyse, sondern für jede Kommunikationstheorie.
 


Band 13
Stephan Hau
Träume zeichnen
Über die visuelle Darstellung von Traumbildern

Tübingen: Ed. diskord, 2004, 266 S., EUR 24,00
ISBN 3-89295-746-0

Jeder Mensch träumt – und das Nacht für Nacht mehrere Stunden. Die lebhaften Traumbilder werden meist als verbaler Bericht mitgeteilt. Es erscheint jedoch viel naheliegender, die Traumerlebnisse nach dem Aufwachen wieder in Bilder zu fassen, die Träume also zu zeichnen. Von dieser Abbildungsmöglichkeit ist bisher wenig Gebrauch gemacht worden.

In diesem Buch wird der Frage umfassend nachgegangen, wie Traumbilder gezeichnet werden können. Welche zusätzlichen Darstellungsmöglichkeiten bieten Traumzeichnungen? Welche Erkenntnisse liefern sie über die Traumvorgänge? Können wir mit Hilfe der Zeichnungen etwas von der Kreativität und visuellen Kraft des geträumten Traumes einfangen?

Neben einer kurzen Einführung in die psychoanalytische Traumtheorie, wird umfassend über die experimentellen Befunde zu Traum, Traumerinnerung und Traumwiedergabe informiert. Die Schwierigkeiten bei der zeichnerischen Umsetzung von Traumbildern werden ebenso beschrieben wie die Entwicklung der menschlichen Zeichenfähigkeit. Schließlich werden anhand von fast 1.000 Zeichnungen typische Merkmale von Traumzeichnungen dargestellt. Dabei werden nicht nur die Schwierigkeiten deutlich, mit denen man sich bei der Erforschung von Träumen konfrontiert sieht, sondern auch das kreative Potential, das in den Träumen vorhanden ist.
 


Band 14
Karola Brede (Hg.)
Nein, Verneinung, Konstruktion
Französisch-deutsche Verknüpfungen in der Psychoanalyse

Mit Beiträgen von Karola Brede, Monique David-Ménard, Robert Heim, Bernd Schwibs, Michel Tort, Elisabeth Troje, Rolf-Peter Warsitz und Dietmar J. Wetzel
Tübingen: Ed. diskord, 2004, 141 S., EUR 16,00
ISBN 3-89295-744-4

In Frankreich hat sich die Psychoanalyse unter dem Einfluß Jacques Lacans und der Auseinandersetzung in der Philosophie mit seinem sprachtheoretischen Denken seit Jahrzehnten auf originäre Weise entwickelt. In Deutschland wurden Impulse und Anregungen bisher vorwiegend in Enklaven aufgenommen. Der Band stellt Adaptationen vor, die neue und überraschende Perspektiven auf stagnierende psychoanalytische Themen – der Vater, die Verneinung und die Destruktion – aus französischer und deutschsprachiger, aus psychoanalytischer, sozialphilosophischer und soziologischer Sicht eröffnen.
 


Mit Band 14 ist die Reihe abgeschlossen.