Veranstaltungen

Tagungen und Workshops

Internationale Tagung
13. – 15. Juni 2008 in Frankfurt

Sind wir veränderungsfähig?

Zur Zukunft psychodynamischer Konzepte in Coaching,
Supervision und Organisationsberatung

 


Zum Hintergrund

Die Entwicklung im Finanz- oder Bankensektor hat den Begriff der „Krise“ im vergangenen Jahr deutlich in den Vordergrund gerückt. Der Kern der Krise ist eine desaströse Zerstörung des Vertrauens im Kontakt zwischen Menschen und Organisationen. Dieser schon seit langem schleichende Prozess des Verlusts an gegenseitigem Vertrauen ist Ausdruck eines vom Soziologen Giddens so bezeichneten „disembeddedness“, mit der deutlich wird, wie wenig Menschen mit ihren Lebensbedingungen, auf die sie gleichwohl angewiesen sind, noch in Kontakt sind und daher auch mit ihnen nicht vertraut sind. Die „pervers-narzisstische“ Form des Umgangs mit Beziehungen im ökonomischen und gesellschaftlichen Zusammenhang hat sich nun zugespitzt, sie befindet sich in einer grundlegenden Krise.
Im ursprünglichen Sinne handelt es sich bei Krisen um Veränderungs- und Entscheidungssituationen, die einen Wendepunkt darstellen, d.h. um schwierige Situationen, die sich derart zuspitzen, dass es grundlegender Entscheidungen bedarf, um gefährliche Entwicklungen oder Katastrophen zu verhindern. Krisen bilden auf der individuellen Ebene auch ein wesentliches Element der psychischen Entwicklung, wo sie entweder als von innen angestoßene Reifungs-, Wachstums- oder Entwicklungskrisen unvermeidlich auftauchen oder aber durch externe Ereignisse - zum Teil traumatischer Natur  -  angestoßen werden.
Mit dem Begriff der „Krise“ verknüpfen sich also häufig sowohl persönliche als auch gesellschaftliche Dynamiken. In der momentanen Finanz- bzw. Bankenkrise wird dabei oft versucht, diese als einseitig durch Personen bzw. deren triebhaft gesteuertes Fehlverhalten (Gier etc.) zu erklären.
In Krisenzeiten ist es sinnvoll, sich Unterstützung zu holen und Gespräche mit vertrauten bzw. vertrauenswürdigen Personen zu holen. Psychodynamisch-systemisches Coaching beginnt immer dort, wo persönliche oder Krisen der Organisation sichtbar werden und eine Entwicklung oder Entscheidung erfordern. Insofern legitimieren sich Coaching und Supervision in gewisser Weise durch die Existenz von Krisen oder kritischen Situationen. Krisen werden schon in der Medizin immer als chancenreicher Moment einer Wendung zum Positiven verstanden und nicht nur als Gefahr für Leib und Seele. Sie beinhalten also, wenn sie gut gemanagt und als Chance genutzt werden, ein erhebliches schöpferisches Potential zur Veränderung und Neoorientierung.
Im Kontext von Krisen spielt dabei das Konzept der Bewährung eine bedeutende Rolle: Die Strafe auf Bewährung bildet im juristischen Bereich ein wichtiges Instrument, um die Krise, die sich in der Straftat zugespitzt hat, als Warnung zu nutzen, sich künftig auch ohne Bestrafung in eine andere, positive und sozial verträgliche Richtung zu entwickeln. Bewährung bedeutet, dass eine Person das in sie gesetzte Vertrauen unter Aufsicht und Kontrolle bei gleichzeitiger Unterstützung rechtfertigen muss.
Was bedeutet diese Dynamik für psychodynamisches Coaching? Wie kann die doppelte Sicht auf Person und Gesellschaft gehalten werden? Sind Coaching und Supervision eine Möglichkeit der Bewährungshilfe? Über welche Krisenkonzepte verfügen wir, bzw. von welchen impliziten Krisenvorstellungen gehen wir aus?
Darüber soll im diesjährigen Coaching-Kongreß nachgedacht und gesprochen werden.
 

Programm

Das Programm der Tagung finden Sie -> hier.