Veranstaltungen

Tagungen und Workshops

Deutsche Psychoanalytische Vereinigung

in Kooperation mit
Universität Frankfurt, Sigmund-Freud-Institut, Fachhochschule Frankfurt, Frankfurter Psychoanalytisches Institut

Sommeruniversität
Psychoanalyse 2009

Identität heute

Montag 31.8. - Freitag 4.9.2009
Universität Frankfurt
Campus Westend

 

Nach dem großen Erfolg im vergangenen Jahr hat sich die Deutsche Psychoanalytische Vereinigung entschlossen, in bewährter Kooperation mit dem Sigmund-Freud-Institut, dem Frankfurter Psychoanalytischen Institut, der Johann Wolfgang Goethe-Universität und der Fachhochschule Frankfurt auch 2009 eine Sommeruniversität zur Psychoanalyse vom 31.8.09 bis zum 4.9.09 in Frankfurt durchzuführen.

Die Vorlesungen und Diskussionen sollen die Frage nach der Identität heute beleuchten. Was hat die Psychoanalyse zu aktuellen Identitätsfragen heute zu sagen? Vertritt sie ein Modell persönlicher Identität, das von der gesellschaftlichen Realität längst überholt ist? Diese äußere Realität wird geprägt von Globalisierung, Virtualität, Beschleunigung, Flüchtigkeit und einem „anything goes“, mit dem nicht nur geschlechtliche Identität und Orientierung, sondern auch die heilige Kuh des Privateigentums in kürzester Zeit scheinbar auf den Kopf gestellt werden können. Die postmoderne Kardinaltugend der Flexibilität führt zu einer der Adoleszenz ähnlichen Identitätsverfassung. Es geht unter diesem Primat nicht mehr um ein Sich-selbst-gleich-Bleiben über die Zeit. Vielmehr soll sowohl über die Zeit als auch über verschiedene Situationen hinweg das, was man ist, stets etwas anderes, nicht mehr aus der bisherigen Identität Vorhersagbares sein. Die affirmative Postmoderne reklamiert das darin gelegene Potential an Freiheit, das wesentlich mit Ent-regelung, Ent-hemmung und Entgrenzung verbunden ist, als schönen Schein eines endlosen Immer-wieder-neu-jetzt-Anfangens.

Wirdenken, dass die Psychoanalyse heute tiefgreifende Erklärungsansätze zum Verständnis der Wechselwirkung individueller und gesellschaftlicher Phänomene zu bieten hat, die ein besonderes Veränderungspotential beinhalten. In einzigartiger Weise untersucht sie nach wie vor das Triebhafte des Menschen, seine zeitlosen unbewussten Konflikte und ihre Auswirkungen auf individuelles wie gesellschaftliches Fühlen, Denken und Handeln. Personale Identität meint nach psychoanalytischem Verständnis nicht einfach nur die Internalisierung von Rollenerwartungen, sondern beinhaltet Triebwünsche, internalisierte Erwartungen, Schemata, Phantasien, Skripte, mit Hilfe derer die natürliche wie soziale Welt, und auch die eigene Person, strukturiert werden.

Für das Subjekt bietet seine Identität eine gewisse Sinn- und Ordnungshaftigkeit von Selbst und sozialer wie natürlicher Welt, diese Identitäts-Leistung ist ihre Positivität. Wie eingeschränkt oder zerstörerisch jemandes Identität auch von außen her erscheinen mag, vom Subjekt her gesehen ist die Identitäts-Positivität eine kreative Sinn- und Ordnungsleistung gegenüber dem ansonsten namenlosen Chaos. Diese Leistung ist zugleich als Abwehr zu begreifen. Abgewehrt wird all das, was nicht in sie eingeschlossen und damit anerkannt ist, sondern von ihr ausgeschlossen wird – dies ist die Negativität der Identität. Das Ausgeschlossen-Abgewehrte ist aber psychisch nicht annihiliert. Als abgewehrte Identitäts-Negativität konstituiert es das gegenüber der Positivität Andere, das im Falle von Veränderungsprozessen Wirklichkeit werden kann.

Damit wird eine inhärente Dynamik von Identität erkennbar. Einerseits beinhaltet die Abwehrfunktion der Positivität eine Selbsterhaltungstendenz: Identität soll so bleiben, wie sie ist. Andererseits wird Identität aufgrund ihrer Selbsterhaltungstendenz zu einem Sein-Sollenden und bekommt dadurch etwas Last-und Zwanghaftes. Im Hinblick darauf beinhaltet die Negativität ein Anders-werden-Können, d.h. es gibt neben der Selbsterhaltungs- auch eine Selbstveränderungstendenz bis hin zur Selbstaufhebung – es gibt nicht nur die Angst davor, ein Anderer zu werden oder zu sein, sondern auch den Wunsch und die Sehnsucht danach.

Wir möchten Sie dazu einladen, über die damit verbundenen Fragen und Perspektiven im Hinblick auf unsere soziokulturelle Befindlichkeit weiter nachzudenken! Es geht uns darum,,an der Psychoanalyse Interessierte über den aktuellen Stand psychoanalytischen Denkens zu informieren – und sie zu inspirieren, psychoanalytische Kenntnisse in ihrem Nachdenken über sich und unsere Gesellschaft und Kultur zu nutzen. Last but not least möchten wir mit der Sommeruni auch für die psychoanalytische Aus- bzw. Weiterbildung in der DPV werben.

Gerhard Schneider und Martin Teising

 


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Das Programm
finden Sie -> hier (pdf-Datei).