11th JOSEPH SANDLER RESEARCH CONFERENCE 2010


Lange Schatten früher und später Traumatisierungen
100 Jahre Internationale Psychoanalytische Vereinigung
50 Jahre Sigmund-Freud-Institut
20 Jahre IPA Forschungskonferenzen


Freitag, 5. Februar bis Sonntag, 7. Februar 2010

Johann Wolfgang Goethe-Universität, Campus Westend, Nebengebäude
Grüneburgplatz 1, 60323 Frankfurt am Main


Es ist eine besondere Ehre, dass wir das 50-jährige Jubiläum des SFI mit zwei weiteren Jubiläen verbinden können: den Feiern zum 100-jährigen Bestehen der International Psychoanalytical Association (IPA) und dem 20-jährigen Bestehen der Forschungskonferenzen der IPA, heute der Joseph Sandler Research Conference. Dass wir diese wichtigste Forschungskonferenz der IPA - nach London - zum dritten Mal in Frankfurt organisieren und die Jubiläen gemeinsam begehen können, zeigt, dass sich das Sigmund-Freud-Institut als Teil der internationalen psychoanalytischen Gemeinschaft und seines Forschernetzwerkes versteht.

Forschung ist heute, auch in der Psychoanalyse, nur in internationalen, interdisziplinären und intergenerationellen Netzwerken fruchtbar zu gestalten, wie der erste Redner der Konferenz, Peter Weingart, in seinem soziologischen "Blick von außen" auf die hundertjährige Geschichte der Psychoanalyse aufzeigen wird. Auch für die Psychoanalyse, wie für alle heutigen Wissenschaften, gilt, dass "Forschung zur Aufklärung immer komplexerer Phänomene getrieben und aus diesem Grund immer unsicherer in ihren Aussagen geworden ist". So hat auch die Psychoanalyse den Duktus aufklärerischer Eindeutigkeiten, die vor 50 Jahren die Mitscherlichschen Analysen für viele so faszinierend und aufregend machten, eingebüßt und ist zu einer zwar unverzichtbaren, aber "leisen Stimme der Vernunft" (Freud) im Chor interdisziplinärer Wissenschaften und ihrer Annäherungen an die Komplexität aktueller gesellschaftlicher Phänomene geworden.

So wird im ersten Teil der Konferenz sichtbar werden, welchen spezifischen Beitrag die Psychoanalyse als Wissenschaft des Unbewussten zur Erforschung der Auswirkungen schwerer Traumatisierungen auf die Betroffenen und ihre Familien leistet. Seit Anfang der Fünfzigerjahre hatten viele Psychoanalytiker Überlebende der Shoah und ihre Familien in psychoanalytischen Behandlungen und versuchten, die transgenerative Weitergabe von Extremtraumatisierungen konzeptuell zu fassen. Schon in der psychoanalytischen Shoah-Forschung zeigte sich, wie wichtig der jeweilige gesellschaftliche Kontext ist, um sich dem Phänomen "Trauma" in adäquater Weise anzunähern. Psychoanalytische Forschung bedarf daher interdisziplinärer Ergänzungen.

Freud selbst war ein "philosophierender Arzt", wie dies der New Yorker Psychoanalytiker und Sozialwissenschaftler Joel Whitebook in seiner Freud-Biographie und seinem öffentlichen Vortrag darlegen wird. Freud beeindruckt auch heute noch durch seine forschende Neugier und seinen weiten Blick über den disziplinären Zaun. Aufgrund der über hundertjährigen psychoanalytischen Forschungsgeschichte haben wir heute - im Vergleich zur ersten Psychoanalytikergeneration - interdisziplinären Gesprächspartnern eine Fülle von Erkenntnissen zu einem vertieften Verständnis von Trauma anzubieten, wie Charles Hanly, der jetzige Präsident der IPA, in seinem Vortrag aufzeigen wird. Auch Werner Rohleber, Jorge Canestri, Peter Fonagy und Paul Denis geben einen Einblick in den derzeitigen beeindruckenden Stand der psychoanalytischen Konzeptforschung zum Thema "Trauma". Sie stellen die Ergebnisse von Interviews mit führenden Traumaexperten der IPA vor, deren implizite Theorien sie detalliert erforscht haben.

In Zeiten der international vernetzten, transgenerationellen Forschung ist es für das SFI eine besondere Chance, dass wir am Samstagnachmittag unsere laufenden Forschungsprojekte vorstellen und mit unseren Gästen diskutieren können. Das Thema "Trauma" ist in vielen Projekten direkt oder indirekt unser Forschungsgegenstand.

Aus einer ganz anderen Perspektive, nämlich einer literarischen, wird die israelische Schriftstellerin Lizzie Doron uns in einer Lesung am Samstagabend das Tagungsthema nahe bringen.

Am Sonntag steht der interdisziplinäre Austausch im Zentrum. Es ist faszinierend, in welcher Weise empirische und experimentelle Studien aus dem Bereich der Neurobiologie, der Hirnforschung und der Epigenetik die klinisch-psychoanalytischen Erkenntnisse zu der transgenerativen Weitergabe vor allem von frühen Traumatisierungen abstützen, wie Linda Mayes, Steven Soumi und Steven Ellman, führende Forscher aus den USA, diskutieren werden. So stellte die Forschergruppe um Steven Soumi fest, dass extreme Traumatisierungen sogar einen anhaltenden Einfluss auf die Gen-Ausstattung der Betroffenen
ausüben und daher an die folgende Generation weitergegeben werden.

für das internationale Organisationskomitee der Joseph Sandler Research Conference
Marianne Leuzinger-Bohleber

Programme

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